Kleine Geschichte, ein wirtschaftmoralischer Exkurs, praktisch: Eine Schülerin sagte mir neulich, dass Sie von nun an vegan leben wolle, da Sie einen Beitrag gesehen habe, die die Zustände in der Massentierhaltung beschreibe.

"Ja, gut...", sagte ich, "bin zwar selber Fleischfresser, aber mach ruhig, ist 'ne gute Sache dem Tierwohl gegenüber und über gesunde Ernährung musst Du Dich mit wem anders drüber unterhalten." - Nun kauft Sie fleißig vegane Produkte bei Lidl, Aldi und Co.

Das ist Schwachsinn! - Denn mit dem Verhalten unterstütze ich grade diejenigen Konzerne (von uns auch oftmals euphemistisch als Helden des Mittelstandes bezeichnet, aber das sind sie nicht, Sie sind Großkonzerne!), die für Ausbeutung, Umweltsünde, soziale Ungerechtigkeit, Globalisierungswahnsinn (nicht falsch verstehen: Globalisierung ist toll; das www auch; immer die Frage wie man es bzw. sie verwendet oder sich zu nutzen macht; und warum...) und dem Negativ billig, billig (Postiv: bewußte Sparsamkeit) stehen. Sehr toll...dadurch unterstützt man mit dem Kauf eines veganen Produkts die Massentierhaltung (und AN-Ausnutzung, Verkehrswahnsinn usw.)- sozusagen Quersubvention bzw. Querfinanzierung.

Deswegen hier die Wiederholung meiner These zur Ladeneröffnung 2004: Wir leben unter dem Primat der Wirschaft; deswegen muss auch unsere Moralität wirtschaftlicher werden. Nicht in dem Sinne, dass sie effektiver wird, sondern dass Sie wirtschaftlich notwendiger wird. Es gilt beim Kauf eines Produktes zu fragen: Wen unterstütze ich damit, passt mir das, und wenn ja, wie könnte ich besser unterstützen? --- Ein gutes Beispiel für wirtschaftsmoralisch verfehltes Verhalten in diesem Sinne war der Verkauf von Jonglierrequisiten bei Tschibo mit dem "guten" Namen von Roncalli. Shame on you!

Aber der Handel besteht aus zwei Seiten, dem Händler und dem Käufer. Man muss sowas ja nicht kaufen, genauso wenig wie man (vermeintlich) korrekte Produkte bei in diesem Sinne fragwürdigen Unternehmen kaufen muss. Man MUSS ja keine Ballons bei KiK, Tschibo, T€di oder wherever kaufen; denn abgesehen von der Qualität der Produkte: Man unterstützt mit jedem Kauf dasjenige Unternehmen wo man kauft. Und damit die Wirtschaftspolitik und ganz explizit die wirtschaftmoralischen Vorstellungen desjenigen Unternehmens wo man sein Geld lässt. - Bewusster Einkauf ist nicht nur eine Frage des Geldbeutels!